Nach Hause telefonieren

Weißt du noch, damals? Du bist gerade ein paar Tage tot gewesen und ich hab´s einfach nicht begriffen, einfach nicht kapiert. Erst, als ich morgens um 3 noch wach in meinem Bett lag, da fiel mir ein, dass ich dich nie wieder anrufen kann. Niemals wieder mit dir am Telefon über das Leben in Australien diskutieren. Und da bin ich wütend geworden, dass mir heiße Tränen die Wangen runterliefen, dass ich mit den Fäusten auf mein Kissen trommelte. Ich war schrecklich wütend auf dich. Ich fand es so seltsam, niemals mehr das Handy in die Hand nehmen zu können, um dich anzurufen. Ich dachte: Gibt´s dort oben denn keine Telefone? Ich brauche doch nur deine Nummer.

Und dann hat das Telefon geklingelt. Morgens um 3 Uhr schellte es durch die Dunkelheit zu mir hinüber und ich griff wie betäubt nach dem Hörer. Bis morgens um 8 habe ich telefoniert, habe der Sonne beim Aufgehen zugesehen und dem Licht, das durch die Baumrkonen sickerte. Ich lachte, weinte, wrang meine Seele wie einen alten Küchenlappen aus, hörte zu, fing auf. Es war das schönste Telefonat meines Lebens.

Es war ein Zeichen. Eine Aufforderung.

Lebe.

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