Ein lächelnder Tag.

November 13, 2009 - One Response

Menschen haben Geheimnisse. Und die meisten von ihnen wissen nicht einmal etwas von ihnen, geschweige etwas von jenen, die sie mit den anderen teilen. Diese Botschaften aus fremden Welten, die wir am Morgen als Traum vom Kopf abschütteln wie Spinnweben in Zimmerecken.

Es gibt Begegnungen, die sind wie Musik. Sie schwingen durch den Augenblick und blähen den Moment auf wie eine Blase aus bunter Farbe, die in unseren Köpfen platzt und alles entsetzlich vollsaut. Alles entsetzlich mit herrlich wunderschön leuchtend bunter Farbe vollsaut. Man hat gerade noch an das Abendessen gedacht oder an das Buch, das man liest. Und dann hörst du plötzlich diese Musik, hältst stirnrunzelnd inne und wunderst dich, dass offensichtlich nur du diese Melodie hören kannst. Diese Melodie, die so sanft aus deinem Herzen rieselt und in deinem Kopf jeden Gedanken und jede Vernunft zerschmettert. Read the rest of this entry »

Auftakt.

November 11, 2009 - Leave a Response

Es gibt Geschichten, die dürfen nie erzählt werden.

Im Laufe unseres Lebens passieren uns eine Menge Geschichten. Einige von ihnen werden gerne im Anblick des knisternden Lagerfeuers erzählt, wenn die Funken glühend in den Nachthimmel aufsteigen. Da flackert immer die Wärme auf den Gesichtern jener Personen und im Angesicht der trügerischen, wabernden Hitze in der Glut, fühlen wir uns unbesiegbar. Unbesiegbar und frei.

Diese Geschichten handeln von Abgründen, von dem Unkraut unserer Seele und unseren Versuchen, das Zeug aus der ungemachten Erde zu rupfen. Aber Unkraut vergeht nicht. So unsere Seelen nicht, die immer nur im Schatten des Bösen zu wirklich Heldenhaftem erstrahlen.

Da, wo ich gewesen bin, in diesem Abgrund. Da war es gar nicht mal so schlecht. Es war geheimnisvoll und dunkel, ja, aber es war auch in gewisser Weise wahrhaftig. Ernsthaft. Es war eine Grenze, die ein Lebender nie überschreiten darf. Ich balancierte recht lange auf dieser schmalen, unsichtbaren Schnur, die die zaghafte Beziehung zwischen Leben und Tod strickt. Einmal bin ich gefallen. Und Gott sei Dank in ein Netz, das jemand für mich geflochten und in sicherer Voraussicht aufgespannt hatte. Liebe war mein Glück. Demut ist der Dank.

Die Geschichten, die man nie erzählt, sind wohl auch immer die besten. Wenn mich jemand fragt, worüber ich so schreibe, wenn ich in meinem stillen Kämmerlein bei würzigem Tee mit Sojamilch sitze und mich freue, dass sich draußen schwarze Wolkenberge auftürmen und meinen Geschichten einen apokalyptischen Atem einverleiben, dann sage ich gerne, dass ich über eine Geschichte schreibe, die nie erzählt worden ist – und auch niemals erzählt werden wird. Es ist ein Geheimnis.

Wir haben immer die Wahl. Das ist das faszinierende. Und als ich mich dazu entschied, aus diesem Sumpf meiner seelischen Eingeweiden wieder aufzusteigen, da war es, als kroch ich durch einen klebrigen, nebligen Tunnel. Die Glieder waren mir schwer, mein Atem ging flach und mein Herz hüpfte angstvoll und fiebrig in der Brust. Das Geheimnis nahm ich mit, ich trage es immer bei mir, wie einen Talisman. Wie eine Geschichte, die man Kindern nachts erzählte, damit sie nach Alpträumen wieder beruhigt einschlafen konnten. Was ich dabei für wahr oder für unwahr hielt, blieb unwichtig. Wichtig war nur die Geschichte, die ich wahr machen wollte.

Ein Auftakt.

 

Eine eigene Geschichte.

November 9, 2009 - Leave a Response

„So lasst die Reise beginnen!“, flüsterte sie, als sie das Buch aufschlug und ihr der Staub längst vergessener Zeiten entgegen wirbelte. Der Geschmack von Magie haftete ihm an.

Jedes Wort klang wie ein Lied auf ihren Lippen. Die Geschichten waren wie Sterne am Nachthimmel, glühende Hoffnungsfunken in schwarzer Dunkelheit. Die Geschichten erzählten alle von den großen Dingen im Leben, die nur ausgedachten Figuren in Büchern geschahen. Helden in stählernen Uniformen, die irgendwie nie Angst zu haben schienen, die sich ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, den Aufgaben stellten, ganz egal, wie unmöglich zu lösen sie einem erscheinten. Grenzenlos mutig waren diese Helden, wenn sie die Schwerter aus ihren Scheiden zogen und mit dem ersten Morgenlicht im Rücken in die Schlacht zogen. Und gewannen. Read the rest of this entry »

Ein kleines Dankeschön.

November 6, 2009 - Leave a Response

Es kommt manchmal der Punkt, von dem an es keine Rückkehr mehr gibt.

Ein Jahr ist es nun her, seit ich von deinem Tod erfahren habe. Ein Jahr, so sagt man, braucht es, bis eine Trauerarbeit abgeschlossen ist. Ein Jahr hast du mich jeden Tag meines Lebens begleitet. Du hast mir schon letztes Jahr deutlich gesagt, dass ich das sein lassen soll, ich dich gehen lassen muss. Ich war aber nicht bereit dazu. Ich hab dich gebraucht.

Ich hatte solche Angst, weißt du noch? Ich hatte so eine Angst vor dem Tod, aber eine viel größere hatte ich vor dem Leben. Ich hatte Angst davor, Entscheidungen treffen zu müssen und noch viel mehr, dass das, was ich bin, nicht reichen könnte. Wofür auch immer. Zynischerweise bist du bei einer letzten solchen Phase dabei gewesen. Ein Winter vor über fünf Jahren war das. Da war ich genauso ängstlich, genauso gebeutelt wie im letzten Jahr. Und dann warst da du. Du, der nie etwas gewollt hat, der einfach immer nur da war, am Rande stehend. Du hast mir damals ein großes Geschenk gemacht, das ich erst im letzten Jahr ausgepackt und überhaupt gefunden habe. Es war, als hättest du mir damals etwas gegeben, das ich achtlos auf den Dachboden geworfen hatte, nur um im letzten Jahr den Staub von der glänzenden Verpackung zu wischen und die vergilbten Bilder auszupacken, die du mir hinterlassen hast. Die wärmsten Erinnerungen an dich. Das ist dein Erbe gewesen. Wunderschöne Erinnerungen, die meine Gedanken beflügelten wie Blätter an einem Herbsttag durch die Luft tanzten. Read the rest of this entry »

Vom Fragen fragen

November 2, 2009 - Leave a Response

„Und plötzlich fühlte ich mich nicht mehr allein. Plötzlich hatte ich wieder mich selbst.“

Es gibt Phasen im Leben, in denen man sich zu verlieren glaubt. Man fühlt sich alleine, weil niemand da ist, mit dem man sprechen könnte. Man spürt sich nicht mehr, ist irgendwie leer und irgendwie weiß man gar nicht, wieso überhaupt. Bis plötzlich der Tag kommt und man wirklich alleine ist. Nicht nur ich habe mich verloren, auch die anderen haben es. Sie haben nach mir gesucht, nach mir gerufen, aber es war, als brüllten sie meinen Namen in einen dicht bewachsenen Wald bei Nacht. Nicht einmal das Mondlicht schälte sich durch die Schwärze.

Es war nicht, weil ich nicht geliebt wurde. Ich werde geliebt! Heiß und innig! Nur ich – ich liebte mich nicht. Ich grübelte, zog los, die Welt aus schlauen, dicken Büchern zu erklären. Nur antwortete keines dieser Bücher auf meine hilflosen Fragen, diese Welt verstehen zu wollen. Ich fand zwischen den Zeilen kein Herz, das schlug und keine Gedanken, die lebten und nicht nur bloß zu Staub zerfallen waren. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Druckerschwärze aufhörte, mein Herz zu vergiften. Es dauerte so lange, bis ich ernsthaft krank wurde.

Nun. Ich muss sagen – ich hab es versucht wie all die anderen verrückten Studenten. Habe versucht, die Welt zu erkennen und habe nur eines erkannt: dass wir nichts wissen können. Die großen Geister wissen es seit jeher. Nur ich musste es unbedingt selbst erfahren, musste die Hand fünfmal auf die heiße Kochplatte patschen. Seitdem ich das wieder weiß, seitdem ich mich auf diese beschwerliche und geheimnisvolle Suche zurück nach mir selbst gemacht habe, passieren abenteuerliche Geschichten. Dinge, von denen ich hier nicht berichten kann, denn sie sind auf das Papier meines Herzens geschrieben, mit einer Tinte, die es in keinem Supermarkt dieser Welt zu kaufen gibt.
Der Arzt schüttelte den Kopf, die buschigen Augenbrauen wölbten sich über dem belustigten Blick. „Glück?“, fragte er mit spöttisch hochgezogenem Mundwinkel, „um Glück geht es schon lange nicht mehr. Hier geht es um viel mehr als das.“


Prostitution.

Oktober 25, 2009 - One Response

Ich lächelte immer milde über diese Blogger, die in ihren ansonsten sehr schönen Blogs ihre Seele verkauften.

Ich fand diesen Hype immer etwas seltsam. Gewinnspiele überfluteten die Bloggerwelt wie Tsunamis und hinterließen nichts als Staub in den Gesichtern der Bloggern, die verloren hatten. Produkte testen, Gutscheine verschenken, Gewinnspiele betreiben. Hallo Konsum! Nee, dachte ich, für sowas geb ich meinen Blog ja nie her. Dafür liest mich auch kein Schwein.  Naja und… weil ich mich in keinen Grüppchen tummele, bei niemanden (mehr – entschuldigung an alle.) kommentiere und auch sonst eher eigenbrötlerisch bin.

Und weil mich kein Schwein liest, fällt es überhaupt nicht auf, wenn ich meine Seele an das Konsumteufelchen verkaufe und mein armes Blogchen doch noch prostituierte. Scheiß auf Prinzipien. Scheiß auf Pseudomoral. Ich mache mit. Und zwar hier.

Und, verdammt nochmal, ich will DAS da haben. Ich will es haben. Ansonsten tu ich ja immer sehr gern intellektuell und so, aber ich kann es nicht leugnen. Ich liebe Handys. Ich liebe sie wirklich. Sie sind für mich kleine Wunderwerke, die mein Herz erfreuen, wenn ich damit fotografieren kann (bei 8 MP lohnt sich das auch schon), Musik hören, per WLAN im Internet surfen und sogar noch telefonieren. Es sind Multifunktionsspielzeuge. Mag ich. Mag ich. MAHAG IHICH.

Liebe RabattRadarSchnäppchen-Menschen (hach. Das reimt sich sogar fast.):
Es gibt keinen Grund dafür, weshalb ausgerechnet ICH gewinnen sollte. Ich hätt das Handy einfach gern. Und ich hätt euch dann einfach sehr lieb. Jawohl. :-) [Außerdem gibt es jemanden, der sich wahnsinnig mein aktuelles Handy wünscht und ich habe vor, es an Weihnachten zu verschenken, falls ich bis dahin im Besitz eines neuen Handys bin.]

Heute Nacht wird ausgelost. Ich habe noch nie etwas gewonnen. Naja. Doch. Einmal. Ich erinnere mich, wie ich nach einem langen, kalten, sehr kalten, Tag von der Grundschule nach Hause kam und ein riesengroßes, menschenhohes Paket vorfand. Für mich. Aufgeregt öffnete ich den Karton und fand ein knallorangenes Erwachsenenmännertshirt, eine häßliche Käppi und eine Plastiktasche vor. Im beigefügten Zettel stand, ich hätte gewonnen. Wobei? Wann? Keine Ahnung. Bis heute weiß ich nicht, wo ich da gewonnen hatte. Egal. Ich hab mich tierisch gefreut. Gewonnen halt, nech? Ist doch egal, was. Gewonnen ist gewonnen!

[Eigentlich hatte ich für den neuen Post geplant, eine Diskussion über die Frage nach der Seele zu schreiben... räusper. Ich hatte einen tollen Film gesehen, der mich extrem erschüttert und meine liebe kleine Haribowelt so ziemlich zum Einstürzen gebracht hat. Was, wenn es gar keine Seele gibt? Was, wenn das, was wir sind, nichts ist, außer reiner Biochemie? Und wie kann man das auch noch gut finden? Aber das hier hat doch weit mehr Stil, find ich. Und ist ehrlicher ;-) Meine spärlich gesäten Leserchen: Bitte drückt mir doch die Daumen. Ich weiß, ihr findet alle von irgendwelchen Sexseiten (ja. Mein harmloses Blog wurde auf einer hardcore Pornoseite verlinkt. Ich lasse das mal unkommentiert.) her und hofft auf die Erfüllung eurer Fetischfantasien. Die werde ich euch nicht erfüllen, aber wo ihr schon mal hier seid. Drückt mir die Daumen. Ich will das Teil haben. Echt.]

Das Leben.

Oktober 16, 2009 - Leave a Response

„Lass uns einfach verschwinden, ja?“, habe ich geflüstert, als wir im Auto zwischen Bierdosen und Zigarettenpapierchen lagen. „Wohin denn?“ „Ist doch egal. Einfach weg!“ Draußen war ein kugelrunder Mond über dem Meer aufgegangen und hatte eine Sternendecke über die Dunkelheit gelegt. Wir lagen im Auto, versteckt vor der bösen Welt, und trieben in unserem Universum umher.

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Wir haben uns kennen gelernt, weil du es unbedingt wolltest. Du hast dich mir gegenüber gesetzt, dir eine Zigarette in den Mundwinkel gehängt und genuschelt: „Ich hab mal mit Drogen gedealt.“ Das Feuerzeug zischte und du nahmst einen tiefen Zug.
„Aha?“, sagte ich nur und zuckte die Schultern. Die Sonne brütete über uns, die Hitze waberte in dicken Luftschleiern durch die Gegend und wir saßen auf der Bank und haben über das Leben geredet. Und natürlich über Liebe. Aber Liebe, das war nie ein Thema zwischen uns. Am Anfang hast du noch gehofft, dass wenigstens einer von uns beiden sich verlieben würde. Aber das taten wir nicht. Wir waren auch keine Freunde. Wir waren uns nur für einen Moment nahe. Read the rest of this entry »

Liebe.

Oktober 14, 2009 - Leave a Response

Wofür lohnt es sich zu leben, wenn nicht einzig allein für die Liebe?

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Ich erinnere mich noch so gut an das Blau des Meeres, wie es sich angefühlt hat, sich im Ozean zu verlieren, die Augen zu schließen und sich aufzulösen. Es war, als dauerte Zeit ewig und als wäre das Leben ein einziges, klebriges Abenteuer. Vier Wochen für ein ganzes Leben. Damals sagte meine Chefin zu mir, dass jede Frau mindestens einmal ganz kurze Haare gehabt haben muss. Ich glaube, jeder Mensch sollte einmal die Welt ganz alleine für sich entdecken. Sollte einmal alleine reisen und sich selbst zu einem Freund werden. Read the rest of this entry »

Der Tod.

Oktober 11, 2009 - Leave a Response

„Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, wie das ist, wenn jemand stirbt.“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Die Baumkronen leuchten verschwenderisch, die Sonne schwenkt ihr Licht großzügig über das Blau des Himmels. Wir sitzen auf der Steintreppe, der Kaffee dampft in unseren Händen.

Lalala

Eigentlich ist der Tod gar nichts besonderes. Es ist, als geht jemand um die Ecke, grußlos, was im ersten Moment so schrecklich weh tut, dass wir keine Luft mehr bekommen und uns das Herz vor Kummer stehen bleibt. Aber der verlorene Abschied liegt wie ein Fußabtreter vor der Ecke und irgendetwas in uns weiß bestimmt, dass wir uns eines Tages die nackten Füße ebenso auf diesem abtreten müssen wie damals der geliebte Mensch, der uns nun, anstatt uns zu verabschieden, in einem neuen Land begrüßt. Read the rest of this entry »

Zweimal im Leben.

Oktober 9, 2009 - One Response

Das Feuer knisterte in der schaukelnden Herbstluft. Die Flammen überschlugen sich in dem Blau seiner Augen, als lachten sie hämisch über den Grund der Ozeane, als glaubten sie, sie hätten nichts zu befürchten. Ich fühlte mich jung, schön und glaubte daran, dass die ganze Welt mir gehörte und dass ich den Menschen etwas zu geben hatte. Etwas wirklich wertvolles zu geben.

Es war die Nacht, in der er mir zum ersten Mal aufgefallen ist und ich erinnere mich auch nicht mehr an vieles. Es ist schon so lange her, so viele Jahre, und so kann ich mich nur an die aufsteigende Hitze erinnern, an die Glut, die durch die Luft taumelte und an die Ruhe in seinem Blick, obwohl das Feuer im Glanz seiner Pupillen wütete. Ich weiß nicht, weshalb ich ihn geküsst habe oder wie sich das angefühlt hat. Ich kann mich nur an das Licht des Morgens erinnern, wie es über die Grasnarbe schwappte und in unseren geschlossenen Lidern zuckte und wie er am Ende meine Hand genommen und mich nach Hause gebracht hat. Den ganzen Weg durch den Wald, durch den Morgentau, durch den Nebel, der uns um die Knöchel waberte, nach Hause. Wo auch immer das gewesen ist. Read the rest of this entry »