Ein kleines Dankeschön.

November 6, 2009 - Leave a Response

Es kommt manchmal der Punkt, von dem an es keine Rückkehr mehr gibt.

Ein Jahr ist es nun her, seit ich von deinem Tod erfahren habe. Ein Jahr, so sagt man, braucht es, bis eine Trauerarbeit abgeschlossen ist. Ein Jahr hast du mich jeden Tag meines Lebens begleitet. Du hast mir schon letztes Jahr deutlich gesagt, dass ich das sein lassen soll, ich dich gehen lassen muss. Ich war aber nicht bereit dazu. Ich hab dich gebraucht.

Ich hatte solche Angst, weißt du noch? Ich hatte so eine Angst vor dem Tod, aber eine viel größere hatte ich vor dem Leben. Ich hatte Angst davor, Entscheidungen treffen zu müssen und noch viel mehr, dass das, was ich bin, nicht reichen könnte. Wofür auch immer. Zynischerweise bist du bei einer letzten solchen Phase dabei gewesen. Ein Winter vor über fünf Jahren war das. Da war ich genauso ängstlich, genauso gebeutelt wie im letzten Jahr. Und dann warst da du. Du, der nie etwas gewollt hat, der einfach immer nur da war, am Rande stehend. Du hast mir damals ein großes Geschenk gemacht, das ich erst im letzten Jahr ausgepackt und überhaupt gefunden habe. Es war, als hättest du mir damals etwas gegeben, das ich achtlos auf den Dachboden geworfen hatte, nur um im letzten Jahr den Staub von der glänzenden Verpackung zu wischen und die vergilbten Bilder auszupacken, die du mir hinterlassen hast. Die wärmsten Erinnerungen an dich. Das ist dein Erbe gewesen. Wunderschöne Erinnerungen, die meine Gedanken beflügelten wie Blätter an einem Herbsttag durch die Luft tanzten. Read the rest of this entry »

Vom Fragen fragen

November 2, 2009 - Leave a Response

„Und plötzlich fühlte ich mich nicht mehr allein. Plötzlich hatte ich wieder mich selbst.“

Es gibt Phasen im Leben, in denen man sich zu verlieren glaubt. Man fühlt sich alleine, weil niemand da ist, mit dem man sprechen könnte. Man spürt sich nicht mehr, ist irgendwie leer und irgendwie weiß man gar nicht, wieso überhaupt. Bis plötzlich der Tag kommt und man wirklich alleine ist. Nicht nur ich habe mich verloren, auch die anderen haben es. Sie haben nach mir gesucht, nach mir gerufen, aber es war, als brüllten sie meinen Namen in einen dicht bewachsenen Wald bei Nacht. Nicht einmal das Mondlicht schälte sich durch die Schwärze.

Es war nicht, weil ich nicht geliebt wurde. Ich werde geliebt! Heiß und innig! Nur ich – ich liebte mich nicht. Ich grübelte, zog los, die Welt aus schlauen, dicken Büchern zu erklären. Nur antwortete keines dieser Bücher auf meine hilflosen Fragen, diese Welt verstehen zu wollen. Ich fand zwischen den Zeilen kein Herz, das schlug und keine Gedanken, die lebten und nicht nur bloß zu Staub zerfallen waren. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Druckerschwärze aufhörte, mein Herz zu vergiften. Es dauerte so lange, bis ich ernsthaft krank wurde.

Nun. Ich muss sagen – ich hab es versucht wie all die anderen verrückten Studenten. Habe versucht, die Welt zu erkennen und habe nur eines erkannt: dass wir nichts wissen können. Die großen Geister wissen es seit jeher. Nur ich musste es unbedingt selbst erfahren, musste die Hand fünfmal auf die heiße Kochplatte patschen. Seitdem ich das wieder weiß, seitdem ich mich auf diese beschwerliche und geheimnisvolle Suche zurück nach mir selbst gemacht habe, passieren abenteuerliche Geschichten. Dinge, von denen ich hier nicht berichten kann, denn sie sind auf das Papier meines Herzens geschrieben, mit einer Tinte, die es in keinem Supermarkt dieser Welt zu kaufen gibt.
Der Arzt schüttelte den Kopf, die buschigen Augenbrauen wölbten sich über dem belustigten Blick. „Glück?“, fragte er mit spöttisch hochgezogenem Mundwinkel, „um Glück geht es schon lange nicht mehr. Hier geht es um viel mehr als das.“


Prostitution.

Oktober 25, 2009 - One Response

Ich lächelte immer milde über diese Blogger, die in ihren ansonsten sehr schönen Blogs ihre Seele verkauften.

Ich fand diesen Hype immer etwas seltsam. Gewinnspiele überfluteten die Bloggerwelt wie Tsunamis und hinterließen nichts als Staub in den Gesichtern der Bloggern, die verloren hatten. Produkte testen, Gutscheine verschenken, Gewinnspiele betreiben. Hallo Konsum! Nee, dachte ich, für sowas geb ich meinen Blog ja nie her. Dafür liest mich auch kein Schwein.  Naja und… weil ich mich in keinen Grüppchen tummele, bei niemanden (mehr – entschuldigung an alle.) kommentiere und auch sonst eher eigenbrötlerisch bin.

Und weil mich kein Schwein liest, fällt es überhaupt nicht auf, wenn ich meine Seele an das Konsumteufelchen verkaufe und mein armes Blogchen doch noch prostituierte. Scheiß auf Prinzipien. Scheiß auf Pseudomoral. Ich mache mit. Und zwar hier.

Und, verdammt nochmal, ich will DAS da haben. Ich will es haben. Ansonsten tu ich ja immer sehr gern intellektuell und so, aber ich kann es nicht leugnen. Ich liebe Handys. Ich liebe sie wirklich. Sie sind für mich kleine Wunderwerke, die mein Herz erfreuen, wenn ich damit fotografieren kann (bei 8 MP lohnt sich das auch schon), Musik hören, per WLAN im Internet surfen und sogar noch telefonieren. Es sind Multifunktionsspielzeuge. Mag ich. Mag ich. MAHAG IHICH.

Liebe RabattRadarSchnäppchen-Menschen (hach. Das reimt sich sogar fast.):
Es gibt keinen Grund dafür, weshalb ausgerechnet ICH gewinnen sollte. Ich hätt das Handy einfach gern. Und ich hätt euch dann einfach sehr lieb. Jawohl. :-) [Außerdem gibt es jemanden, der sich wahnsinnig mein aktuelles Handy wünscht und ich habe vor, es an Weihnachten zu verschenken, falls ich bis dahin im Besitz eines neuen Handys bin.]

Heute Nacht wird ausgelost. Ich habe noch nie etwas gewonnen. Naja. Doch. Einmal. Ich erinnere mich, wie ich nach einem langen, kalten, sehr kalten, Tag von der Grundschule nach Hause kam und ein riesengroßes, menschenhohes Paket vorfand. Für mich. Aufgeregt öffnete ich den Karton und fand ein knallorangenes Erwachsenenmännertshirt, eine häßliche Käppi und eine Plastiktasche vor. Im beigefügten Zettel stand, ich hätte gewonnen. Wobei? Wann? Keine Ahnung. Bis heute weiß ich nicht, wo ich da gewonnen hatte. Egal. Ich hab mich tierisch gefreut. Gewonnen halt, nech? Ist doch egal, was. Gewonnen ist gewonnen!

[Eigentlich hatte ich für den neuen Post geplant, eine Diskussion über die Frage nach der Seele zu schreiben... räusper. Ich hatte einen tollen Film gesehen, der mich extrem erschüttert und meine liebe kleine Haribowelt so ziemlich zum Einstürzen gebracht hat. Was, wenn es gar keine Seele gibt? Was, wenn das, was wir sind, nichts ist, außer reiner Biochemie? Und wie kann man das auch noch gut finden? Aber das hier hat doch weit mehr Stil, find ich. Und ist ehrlicher ;-) Meine spärlich gesäten Leserchen: Bitte drückt mir doch die Daumen. Ich weiß, ihr findet alle von irgendwelchen Sexseiten (ja. Mein harmloses Blog wurde auf einer hardcore Pornoseite verlinkt. Ich lasse das mal unkommentiert.) her und hofft auf die Erfüllung eurer Fetischfantasien. Die werde ich euch nicht erfüllen, aber wo ihr schon mal hier seid. Drückt mir die Daumen. Ich will das Teil haben. Echt.]

Das Leben.

Oktober 16, 2009 - Leave a Response

„Lass uns einfach verschwinden, ja?“, habe ich geflüstert, als wir im Auto zwischen Bierdosen und Zigarettenpapierchen lagen. „Wohin denn?“ „Ist doch egal. Einfach weg!“ Draußen war ein kugelrunder Mond über dem Meer aufgegangen und hatte eine Sternendecke über die Dunkelheit gelegt. Wir lagen im Auto, versteckt vor der bösen Welt, und trieben in unserem Universum umher.

DSC00332-pola

Wir haben uns kennen gelernt, weil du es unbedingt wolltest. Du hast dich mir gegenüber gesetzt, dir eine Zigarette in den Mundwinkel gehängt und genuschelt: „Ich hab mal mit Drogen gedealt.“ Das Feuerzeug zischte und du nahmst einen tiefen Zug.
„Aha?“, sagte ich nur und zuckte die Schultern. Die Sonne brütete über uns, die Hitze waberte in dicken Luftschleiern durch die Gegend und wir saßen auf der Bank und haben über das Leben geredet. Und natürlich über Liebe. Aber Liebe, das war nie ein Thema zwischen uns. Am Anfang hast du noch gehofft, dass wenigstens einer von uns beiden sich verlieben würde. Aber das taten wir nicht. Wir waren auch keine Freunde. Wir waren uns nur für einen Moment nahe. Read the rest of this entry »

Liebe.

Oktober 14, 2009 - Leave a Response

Wofür lohnt es sich zu leben, wenn nicht einzig allein für die Liebe?

DSC01124-pola

Ich erinnere mich noch so gut an das Blau des Meeres, wie es sich angefühlt hat, sich im Ozean zu verlieren, die Augen zu schließen und sich aufzulösen. Es war, als dauerte Zeit ewig und als wäre das Leben ein einziges, klebriges Abenteuer. Vier Wochen für ein ganzes Leben. Damals sagte meine Chefin zu mir, dass jede Frau mindestens einmal ganz kurze Haare gehabt haben muss. Ich glaube, jeder Mensch sollte einmal die Welt ganz alleine für sich entdecken. Sollte einmal alleine reisen und sich selbst zu einem Freund werden. Read the rest of this entry »

Der Tod.

Oktober 11, 2009 - Leave a Response

„Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, wie das ist, wenn jemand stirbt.“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Die Baumkronen leuchten verschwenderisch, die Sonne schwenkt ihr Licht großzügig über das Blau des Himmels. Wir sitzen auf der Steintreppe, der Kaffee dampft in unseren Händen.

Lalala

Eigentlich ist der Tod gar nichts besonderes. Es ist, als geht jemand um die Ecke, grußlos, was im ersten Moment so schrecklich weh tut, dass wir keine Luft mehr bekommen und uns das Herz vor Kummer stehen bleibt. Aber der verlorene Abschied liegt wie ein Fußabtreter vor der Ecke und irgendetwas in uns weiß bestimmt, dass wir uns eines Tages die nackten Füße ebenso auf diesem abtreten müssen wie damals der geliebte Mensch, der uns nun, anstatt uns zu verabschieden, in einem neuen Land begrüßt. Read the rest of this entry »

Zweimal im Leben.

Oktober 9, 2009 - One Response

Das Feuer knisterte in der schaukelnden Herbstluft. Die Flammen überschlugen sich in dem Blau seiner Augen, als lachten sie hämisch über den Grund der Ozeane, als glaubten sie, sie hätten nichts zu befürchten. Ich fühlte mich jung, schön und glaubte daran, dass die ganze Welt mir gehörte und dass ich den Menschen etwas zu geben hatte. Etwas wirklich wertvolles zu geben.

Es war die Nacht, in der er mir zum ersten Mal aufgefallen ist und ich erinnere mich auch nicht mehr an vieles. Es ist schon so lange her, so viele Jahre, und so kann ich mich nur an die aufsteigende Hitze erinnern, an die Glut, die durch die Luft taumelte und an die Ruhe in seinem Blick, obwohl das Feuer im Glanz seiner Pupillen wütete. Ich weiß nicht, weshalb ich ihn geküsst habe oder wie sich das angefühlt hat. Ich kann mich nur an das Licht des Morgens erinnern, wie es über die Grasnarbe schwappte und in unseren geschlossenen Lidern zuckte und wie er am Ende meine Hand genommen und mich nach Hause gebracht hat. Den ganzen Weg durch den Wald, durch den Morgentau, durch den Nebel, der uns um die Knöchel waberte, nach Hause. Wo auch immer das gewesen ist. Read the rest of this entry »

.

September 30, 2009 - One Response

„Der Mensch ist wie ein Klavier. Jedes Klavier ist anders gestimmt und jeder Mensch hat nur eine einzige Lebensmelodie. Er kann sich ändern, entwickeln, er kann wachsen und alt werden. Aber die Grundmelodie, die bleibt immer gleich, immer dieselbe, sie ändert sich nie, niemals.“ Mein Philosophielehrer hat ein Bein über das andere geschlagen und spricht mit einem Lächeln in den Augen und einer Ernsthaftigkeit in seinen Mundwinkeln, die die Zeit langsamer werden und uns den Wind, der an das Fenster schlägt, singen hören lässt.

Ich habe jetzt zwanzig Minuten lang vor dem Bildschirm gesessen, ein wunderschönes Lied in Endlosschleife und sehr laut gehört, dabei die Augen zugemacht, vor mich hin gesummt, auf mein Herz gehört und darauf gewartet, dass es summte. Endlich wieder summte. Ich wollte eigentlich etwas schreiben, gute Musik und lautes Herzenhören machen mich immer schreiben, aber mir fiel partout nichts ein. Keine Geschichte, keine Anekdote, nichts, wozu ich meinen Zeigefinger drohend erheben könnte. Nichts. Nada. Schön.

Ich möchte nur sagen, dass man manchmal einfach die Klappe halten sollte. Arme auf und leben.

Egosachen

September 25, 2009 - Leave a Response

Die Sonne reibt sich auf dem Asphalt. Blätter wirbeln im Kreis durch die Luft. Der Herbst hat die Ruhe wie eine Decke über die Welt gelegt, plötzlich scheint die Zeit durchzuatmen. Ich setze mich neben ihn auf die Stufen, überlege, wäge ab, kaue auf der Unterlippe. Meine Hände baumeln gefaltet zwischen den Beinen. „Also“, setze ich an und grinse. „Kannst du dir vorstellen, dass…?“ Er blickt auf.

DSC01316-pola

Ich lächele, dass die Leichtigkeit auf meinem Gesicht tanzt. Tatsächlich muss ich mich so sehr überwinden, dass meine Hände kalt werden. Doch ich atme tief durch und erzähle dann mein Geheimnis. Ich weiß nicht, wann zuletzt, ob überhaupt jemals zuvor, aber ich erzähle einfach so, frei heraus, mein Problem, teile meine Gedanken, öffne einen winzigen Spalt meines Innenlebens, in das ich so lange Zeit niemanden herein gelassen hatte. Ich erzähle es wie eine verrückte Geschichte, einen wahnsinnigen Trip. Hinterher müssen wir beide lachen, er boxt mir auf dem Oberarm und lacht und lacht und lacht, dass ihm die Tränen kommen.  Read the rest of this entry »

Liebe – Momentaufnahme

August 29, 2009 - 5 Responses

Wenn man sich die Entwicklung eines Embryos anschaut, so könnte man beinahe meinen, dass er die gesamte Evolution einmal durchmacht. Und so, wie der Mensch in einem Bauch sich nicht gegen das Erbe der Erde wehren kann, so werden wir später auch alle jeder einzeln für sich aus dem Paradies verjagt.

weh

Die Kreide quietschte auf der Tafel. Der Lehrer drückte fest auf, so dass feiner Kreidestaub zu Boden rieselte. Draußen schaukelten die Baumkronen im Wind, Regen peitschte gegen das Fenster. „Was ist Liebe?“, stand nun in großen, weißen Lettern quer über der Tafel. Ernst blickte er über den Rand seiner Brille in unsere Runde. Was ist Liebe. Ich dachte dabei sofort an dich. Es ist verrückt, wirklich, wie sehr ein Mensch lieben kann,  bis in den Wahnsinn hinein. Read the rest of this entry »